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Äthiopien

 
Sprache amharisch
Hauptstadt Addis Abeba
Staatsform Bundesrepublik
Staatsoberhaupt Girma Woldegiorgis
Premierminister Meles Zenawi
Fläche 1.127.127 km²
Einwohnerzahl 67.851.281
Bevölkerungsdichte 60 Einwohner pro km²
Währung Birr
Zeitzone UTC+3
Nationalhymne Whedefit Gesgeshi Woude Henate Ethiopia
Kfz-Kennzeichen ETH
Internet-TLD .et
Vorwahl +251
 
Gebirge & Berge

Der Großteil des Landes wird vom Hochland von Abessinien eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt auch die Hauptstadt des Landes: Addis Abeba (2.370 m ü. NN). Durch die Mitte von Äthiopien zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der Große Afrikanische Grabenbruch (der hier auch Abessinischer Graben genannt wird). Auf der südöstlichen Seite schließt sich das Somali-Hochland an.

Geschichte

Das östliche Afrika gilt den meisten Forschern als Herkunft der Menschheit. Lange bevor es Schrift gab, oder eine Überlieferung, auf die wir uns heute beziehen können, gab es auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens Menschen. Überreste prähistorischer Menschen (Australopithecus afarensis) wurden in Äthiopien gefunden ("Lucy" 1974 im Gebiet der Afar-Nomaden).

Eines der größten Reiche der Welt in der Zeit der Antike war das nordäthiopische Reich von Axum (auch Aksum), das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war. Es hatte Einfluss auf die südliche arabische Halbinsel und im Norden ging seine maximale Ausdehung entlang des Nils bis nach Assuan im heutigen Ägypten. Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert wurde die äthiopische Christenheit vollständig vom Einfluss der europäischen Kirche abgeschnitten.

Die Portugiesen traten 1493 zum ersten Mal mit Äthiopien in Kontakt, überwiegend um ihre Herrschaft im Indischen Ozean zu festigen und den katholischen Glauben zu verbreiten. Ihre Strategie einer Bekehrung des gesamten Landes scheiterte jedoch.

Im Zuge des Kolonialismus hatte sich Äthiopien immer wieder der Einflussnahme europäischer Mächte zu erwehren, zunächst unter Kaiser Tewodros der der Engländer, dann am Ende des 19. Jahrhunderts der der Italiener und ihrer Kolonie Eritrea. Trotz überlegener, moderner Waffen schlagen die Äthiopier 1896 die italienischen Invasoren zurück (Schlacht von Adua). Dies gilt als erster Sieg einer afrikanischen gegen eine europäische Armee seit Hannibal und ist somit fester Teil des äthiopischen Nationalbewusstseins geworden.

Auf die Sicherung der Unabhängigkeit folgt die Eroberung im Süden des heutigen Staatsgebietes. Diese neueroberten Gebieten fallen unter ein archaisch-feudales System der Landnahme. 1935 kommt es zu einem weiteren italienischen Angriff unter Mussolini. Innerhalb kürzester Zeit fällt Addis Abeba, obwohl die italienische Armee zu keinem Zeitpunkt das ganze Land kontrollieren kann. Mit dem Ende des zweiten Weltkrieges erhält Äthiopien wieder seine Unabhängigkeit.

Anfang der 1970er Jahre gerät das Kaiserreich in eine schwere Krise. Die verarmten Bauern leiden unter den Abgaben an die Großgrundbesitzer, das aufstrebende Bürgertum Addis Abebas sieht sich in seinen politischen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation in Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löst in Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus. Schließlich revoltieren zu Beginn des Jahres 1974 ebenfalls Teile der äthiopischen Armee. Kaiser Haile Selassie wird am 12. September 1974 gestürzt. Das Militär bemächtigt sich schnell der Revolution, ein Militärverwaltungsrat übernimmt unter Führung von Major Mengistu Haile Mariam die Macht. 1975 wird die Monarchie abgeschafft und das Land zu einer sozialistischen Volksrepublik.

Es folgen bald militärische Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten. So wird 1977/1978 mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas eine Invasion des von den USA unterstützten Somalia abgewehrt. Aufgrund der übermäßigen Repression gegen die Zivilbevölkerung erhalten eritreische Separatisten immer mehr Zuspruch.

1984 gelangt Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führen in zwanzig afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges ist Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen.

1991 kollabiert das Regime schließlich. Unter der neuen Interimsregierung Meles Zenawis erlangt Eritrea im April 1993 nach fast dreißig Jahren Krieg die Unabhängigkeit. Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch ökonomische Zwiste führen 1999 jedoch erneut zum Krieg der beiden Länder, den Äthiopien zwei Jahre später unter großen Verlusten für sich entscheiden kann. Derzeit überwachen Soldaten der "United Nations Mission to Ethiopia and Eritrea" (UNEE) einen fragilen Frieden, während eine unabhängige Grenzkommission die Streitigkeiten beilegen soll.

Bevölkerung

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat. Obwohl südlich der Sahara gelegen, hat der überwiegende Teil der Äthiopischen Bevölkerung kulturell nur wenig mit Schwarzafrika gemein.

Historisch gelten die Amharen und als das Staatsvolk. Obwohl Sie nur 30% der Bevölkerung stellen, hat sich Amharisch als Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von der Stadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt. Mit den ihnen verwandten Tigray, die ca. 7% der Äthiopischen Bevölkerung ausmachen, siedeln sie traditionell als Bauern in den nördlichen Hochländern. Amharen und Tigray können unter dem amharischen Begriff Habesha zusammengefasst werden. Zum überwiegenden Teil sind sie Anhänger der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche. Eine kleine Minderheit sind Muslime, die Minderheit jüdischen Glaubens (Falascha) ist mittlerweile komplett nach Israel ausgewandert. Die Zahlenmäßig größte Ethnie bilden allerdings die Oromo, die eine Kuschitische Sprache sprechen (Die früher für die Oromo gebrauchte Bezeichnung Galla gilt heute als abwertend und sollte vermieden werden). Sie stellen über 40 % der Bevölkerung Äthiopiens und hängen dem Islam, oft aber auch der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche an. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich über den Süden, Osten und Westen des Landes. Die muslimische Bevölkerung der Stadt Harer wird Aderi genannt und hat aus historischen Gründen eine eigene linguistisch-kulturelle Identität. Die bedeutsamsten anderen ethnischen Gruppen Äthiopiens sind die Somali, Afar, Gurage, Sidama und Agaw. In den Regionen im Westen und Südwesten des Landes leben noch zahlreiche Nilotische und Omotische Ethnien, die zum Teil einen sehr urspünglichen Lebensstil bewahrt haben. Die bekanntesten unter ihnen sind die Mursi, Hamar und Nuer.

Das Äthiopische Christentum ist die historisch bedeutsamste Religion des Landes. Äthiopien gilt nach Armenien als zweitältester christlicher Staat der Erde. Die Religion folgt sehr archaischen Bräuchen und unterscheidet sich somit deutlich von den immer zahlreicher werdenden protestantischen Sekten, die gewöhnlich auf US-amerikanische Missionare zurückgehen und die sich gerade in den Städten zunehmend größerer Beliebtheit erfreuen. Nach neuesten Schätzungen ist der Islam mittlerweile die größte Religion des Landes. Im Vergleich zu den arabischen Staaten gilt der äthiopische Islam jedeoch als Liberal. Die Stadt Harer gilt unter den äthiopischen Muslimen als heilig.


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