| Gebirge & Berge
Der Großteil des Landes wird vom Hochland von
Abessinien eingenommen; in diesem weitläufigen Hochgebirge liegt
auch die Hauptstadt
des Landes: Addis Abeba (2.370 m ü. NN). Durch die Mitte von
Äthiopien zieht sich in Nordost-Südwest-Richtung der Große
Afrikanische Grabenbruch (der hier auch Abessinischer Graben genannt
wird). Auf der südöstlichen Seite schließt sich das Somali-Hochland
an.
Geschichte
Das östliche Afrika gilt den meisten Forschern
als Herkunft der
Menschheit. Lange
bevor es Schrift gab, oder eine Überlieferung, auf die wir uns heute
beziehen können, gab es auf dem Gebiet des heutigen Äthiopiens
Menschen. Überreste prähistorischer Menschen (Australopithecus
afarensis) wurden in Äthiopien gefunden ("Lucy" 1974 im Gebiet der
Afar-Nomaden).
Eines der größten Reiche der Welt in der Zeit der
Antike war das nordäthiopische
Reich von Axum (auch Aksum),
das eines der ersten christlichen Königreiche der Welt war. Es hatte
Einfluss auf die südliche arabische Halbinsel und im Norden ging
seine maximale Ausdehung entlang des Nils bis nach Assuan im
heutigen Ägypten.
Mit der Ausdehnung des Islam im 7. Jahrhundert wurde die äthiopische
Christenheit vollständig vom Einfluss der europäischen Kirche
abgeschnitten.
Die Portugiesen
traten 1493 zum ersten Mal mit Äthiopien in Kontakt, überwiegend um
ihre Herrschaft im Indischen Ozean zu festigen und den
katholischen Glauben zu
verbreiten. Ihre Strategie einer
Bekehrung des gesamten Landes scheiterte jedoch.
Im Zuge des Kolonialismus hatte sich Äthiopien
immer wieder der Einflussnahme europäischer Mächte zu erwehren,
zunächst unter Kaiser Tewodros
der der Engländer, dann am Ende des 19. Jahrhunderts der der
Italiener und ihrer Kolonie Eritrea. Trotz überlegener, moderner
Waffen schlagen die Äthiopier 1896 die italienischen Invasoren
zurück (Schlacht von Adua). Dies gilt als erster
Sieg einer afrikanischen gegen
eine europäische Armee seit Hannibal und ist somit fester Teil des
äthiopischen Nationalbewusstseins
geworden.
Auf die Sicherung der Unabhängigkeit folgt die
Eroberung im Süden des
heutigen Staatsgebietes. Diese neueroberten Gebieten fallen unter
ein archaisch-feudales System der Landnahme. 1935 kommt es zu einem
weiteren italienischen Angriff unter
Mussolini. Innerhalb kürzester Zeit
fällt Addis Abeba, obwohl die
italienische Armee zu keinem Zeitpunkt das ganze Land kontrollieren
kann. Mit dem Ende des
zweiten Weltkrieges erhält Äthiopien wieder seine
Unabhängigkeit.
Anfang der 1970er Jahre gerät das Kaiserreich in
eine schwere Krise.
Die verarmten Bauern leiden unter den Abgaben an die
Großgrundbesitzer, das aufstrebende Bürgertum
Addis Abebas sieht sich in
seinen politischen Entfaltungsmöglichkeiten eingeengt. Die Inflation
in Folge der Dürrekatastrophe von 1973 und der Ölkrise löst in
Äthiopien Massendemonstrationen von Studenten und Streikwellen aus.
Schließlich revoltieren zu Beginn des Jahres 1974 ebenfalls Teile
der äthiopischen Armee.
Kaiser Haile Selassie wird am 12. September 1974 gestürzt. Das
Militär bemächtigt sich schnell der Revolution, ein
Militärverwaltungsrat übernimmt unter Führung von
Major Mengistu Haile Mariam
die Macht. 1975 wird die Monarchie
abgeschafft und das Land zu einer sozialistischen Volksrepublik.
Es folgen bald
militärische Auseinandersetzungen mit den
Nachbarstaaten. So wird 1977/1978 mit Unterstützung der Sowjetunion
und Kubas eine Invasion des von den USA unterstützten
Somalia abgewehrt. Aufgrund
der übermäßigen Repression gegen die Zivilbevölkerung erhalten
eritreische Separatisten immer mehr Zuspruch.
1984 gelangt Äthiopien durch eine Reportage des
BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre
ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führen in zwanzig
afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des
anhaltenden Bürgerkrieges
ist Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen.
1991 kollabiert das Regime schließlich. Unter der
neuen Interimsregierung Meles Zenawis
erlangt Eritrea im April 1993 nach fast dreißig Jahren
Krieg die Unabhängigkeit. Grenzstreitigkeiten und vermutlich auch
ökonomische Zwiste führen 1999 jedoch erneut zum Krieg der beiden
Länder, den Äthiopien zwei Jahre später unter großen Verlusten für
sich entscheiden kann. Derzeit überwachen Soldaten der
"United Nations Mission to Ethiopia
and Eritrea" (UNEE) einen fragilen Frieden, während
eine unabhängige Grenzkommission die Streitigkeiten beilegen soll.
Bevölkerung
Äthiopien ist ein
Vielvölkerstaat. Obwohl südlich der Sahara gelegen,
hat der überwiegende Teil der Äthiopischen Bevölkerung kulturell nur
wenig mit Schwarzafrika gemein.
Historisch gelten die Amharen und als das
Staatsvolk. Obwohl Sie nur 30% der Bevölkerung stellen, hat sich
Amharisch als Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von der
Stadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt.
Mit den ihnen verwandten Tigray, die ca. 7% der Äthiopischen
Bevölkerung ausmachen, siedeln sie traditionell als Bauern in den
nördlichen Hochländern. Amharen und Tigray können unter dem
amharischen Begriff Habesha zusammengefasst werden. Zum
überwiegenden Teil sind sie Anhänger der
Äthiopisch-Orthodoxen Kirche.
Eine kleine Minderheit sind Muslime,
die Minderheit jüdischen Glaubens (Falascha) ist mittlerweile
komplett nach Israel ausgewandert. Die Zahlenmäßig größte Ethnie
bilden allerdings die Oromo, die eine Kuschitische Sprache sprechen
(Die früher für die Oromo gebrauchte Bezeichnung Galla gilt heute
als abwertend und sollte vermieden werden). Sie stellen über 40 %
der Bevölkerung Äthiopiens und hängen dem Islam, oft aber auch der
Äthiopisch-Orthodoxen Kirche an. Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich
über den Süden, Osten und Westen des Landes. Die muslimische
Bevölkerung der Stadt Harer
wird Aderi genannt und
hat aus historischen Gründen eine eigene linguistisch-kulturelle
Identität. Die bedeutsamsten anderen ethnischen Gruppen Äthiopiens
sind die Somali, Afar, Gurage, Sidama und Agaw. In den Regionen im
Westen und Südwesten des Landes leben noch zahlreiche Nilotische und
Omotische Ethnien, die zum Teil einen sehr urspünglichen Lebensstil
bewahrt haben. Die bekanntesten unter ihnen sind die Mursi, Hamar
und Nuer.
Das Äthiopische Christentum ist die historisch
bedeutsamste Religion des Landes. Äthiopien gilt nach Armenien als
zweitältester christlicher Staat der Erde. Die Religion folgt sehr
archaischen Bräuchen und unterscheidet sich somit deutlich von den
immer zahlreicher werdenden protestantischen Sekten, die gewöhnlich
auf US-amerikanische Missionare zurückgehen und die sich gerade in
den Städten zunehmend größerer Beliebtheit erfreuen. Nach neuesten
Schätzungen ist der Islam mittlerweile die größte Religion des
Landes. Im Vergleich zu den arabischen Staaten gilt der äthiopische
Islam jedeoch als Liberal. Die Stadt Harer gilt unter den
äthiopischen Muslimen als heilig. |